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Was ist Bluthochdruck?

Lesen Sie hier mehr zu den Symptomen, Ursachen und Folgen von (unbehandeltem) Bluthochdruck. In den anderen Kapiteln geben wir Ihnen einen Überblick, wie Bluthochdruck bestimmt wird sowie dazu, wie der Arzt * die Ärztin mit Ihnen zusammen an der Erkrankung arbeiten wird.

Wie funktioniert ein gesundes Herz-Kreislauf-System?

Aufbau und Funktionsweise des Herz-Kreislauf-Systems

Um Ursachen, mögliche Behandlungen und vorbeugende Maßnahmen (Prävention) von Bluthochdruck besser zu verstehen, lohnt es sich, zunächst einen Blick auf den Aufbau und die Funktionsweise eines gesunden Herz-Kreislaufsystems zu werfen.

Das Herz versorgt den gesamten Körper mit Blut. Dabei geht es darum, „frisches“, sauerstoffreiches Blut aus den Lungen zu Organen und Muskeln im ganzen Körper zu bringen, sowie das sauerstoffarme Blut zurück zur Lunge zu transportieren. Für diesen Transport wird durch den Herzschlag ein Druck aufgebaut, damit alle Körperteile erreicht werden: Der Blutdruck [6].

Dieser kann unterschiedlich hoch sein, abhängig von verschiedenen Faktoren. Zum Beispiel werden die Blutgefäße (Venen, Arterien) in bestimmten Situationen verengt, der Blutdruck steigt kurzfristig. Unter Umständen kann der Blutdruck dauerhaft erhöht bleiben, was einige Risiken mit sich bringt.

Überblick: Was ist Bluthochdruck?

In den vom Herzen wegführenden Blutgefäßen, den Arterien, ist der Blutdruck dauerhaft zu hoch (sogenannte arterielle Hypertonie). Die Blutgefäße können sich verändern.

Das Herz braucht mehr Kraft, um das Blut in den Körper zu pumpen.

Bei lang anhaltendem Bluthochdruck steigt auch das Risiko für einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt.

Blutdruck: Systolischer und diastolischer Wert

Wenn der Blutdruck gemessen wird, werden zwei verschiedene Werte angegeben, die mittels Schrägstrich voneinander getrennt werden, zum Beispiel 128 / 85 mmHg (ausgesprochen: „128 zu 85“). Der obere bzw. erste Wert gibt den Druck in den Gefäßen an, wenn sich das Herz zusammenzieht und Blut in die Arterien gepumpt wird (systolischer Blutdruck). Der untere bzw. zweite Wert misst den Gefäßdruck, wenn sich der Herzmuskel entspannt und wieder mit Blut füllt (diastolischer Blutdruck) [7, 8].

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Symptome: Wie macht sich Bluthochdruck im Alltag bemerkbar?

Ein erhöhter Blutdruck bleibt oftmals unentdeckt, da er nicht zu spüren ist.

Einer von fünf Erwachsenen mit Bluthochdruck weiß nichts von den erhöhten Werten [9]. Erst bei extrem hohen Werten können Symptome wie Schwindel und Sehstörungen auftreten.

Weitere Symptome [1]:

  • Kopfschmerzen, Sehstörungen
  • Schwindel, Kreislauf-Beschwerden, Bewusstlosigkeit
  • geistige Einschränkungen
  • erschwerte Atmung, Atemnot
  • Brustenge, Schmerzen in der Herzgegend, Herzrhythmusstörungen
  • Claudicatio intermittens (zeitweises Hinken), kalte Gliedmaßen, mit Flüssigkeit gefüllte Schwellungen (= Ödeme)
  • Einschränkungen des Tastsinns oder der Beweglichkeit
  • Auffälliger Urin
  • Männer: Erektionsstörungen

Häufigkeit

Bluthochdruck gehört zu den weit verbreiteten Beschwerden. In Deutschland haben mehr als drei von zehn Menschen einen erhöhten Blutdruck.

Bei Männern ist die Verbreitung von bekanntem Bluthochdruck mit knapp 33 % etwas höher als bei Frauen (31 %). Im Alter von über 65 Jahren sind deutlich mehr Menschen betroffen. Hier haben ungefähr zwei von drei Menschen in Deutschland einen erhöhten Blutdruck [11].

Aber: Im Schnitt sinken die in großen Studien gemessenen Blutdruck-Werte in unserem Kulturkreis seit Jahrzehnten. Das ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass Bluthochdruck häufiger erkannt und erfolgreich behandelt wird [12, 13].

Wenn bei Ihnen Bluthochdruck festgestellt wurde, können Sie am besten dagegen vorgehen, indem Sie aktiv an der Behandlung mitwirken.

Ursachen und Entstehung: Wie entsteht Bluthochdruck?

Bei Bluthochdruck wird zwischen zwei Formen unterschieden: einer primären und einer sekundären Form.

Warum entsteht Bluthochdruck?

Neben der individuellen Veranlagung tragen verschiedene Faktoren zur Entstehung von Bluthochdruck bei. Bei vielen Patient*innen treffen mehrere dieser sogenannten Risikofaktoren zu.

Ungesunde Ernährung oder zu viel Alkohol

Rauchen

Seelische & berufliche Belastung

Übergewicht & zu wenig Bewegung

Die meisten dieser Risikofaktoren können Sie selbst beeinflussen oder bearbeiten. Mehr dazu erfahren Sie unter » Was kann ich selbst tun.

Primärer bzw. essentieller Bluthochdruck

Viele Menschen leiden an Bluthochdruck, ohne dass sich dafür eine bestimmte Ursache finden lässt. In diesem Fall spricht man von einem „essentiellen“ oder „primären“ Bluthochdruck. Von dieser Form sind 9 von 10 Patient*innen betroffen (91,4%) [14].

Die Entstehung des primären Bluthochdrucks hängt von verschiedenen Risiko- und Einflussfaktoren ab. Dabei spielt das Zusammentreffen verschiedener Gegebenheiten eine große Rolle. Mehr dazu erfahren sie in diesem Abschnitt unter „Risikofaktoren“.

Sekundärer Bluthochdruck

Verursacht eine andere (bisher vielleicht unentdeckte) Grunderkrankung einen hohen Blutdruck, spricht man von „sekundärer“ Hypertonie. Werden die Grunderkrankungen behandelt, hat dies gleichzeitig einen positiven Effekt auf den Blutdruck [15].
Zu den Hinweisen für eine sekundäre Hypertonie zählen z. B. sehr hohe Blutdruckwerte, die sich durch Medikamente nicht senken lassen. Auch Atemaussetzer im Schlaf können in der Folge zu einem erhöhten Blutdruck führen und sollten untersucht werden. [16]

Risikofaktoren

Es gibt Lebensgewohnheiten und -bedingungen (Risikofaktoren), die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, eine bestimmte Krankheit zu bekommen. Eine Häufung und das Zusammenwirken von mehreren Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Erkrankungen erheblich [17].

Folgende Risikofaktoren erhöhen die Gefahr, Bluthochdruck zu entwickeln:

Weitere Einflussfaktoren, die Bluthochdruck begünstigen können, sind z. B. männliches Geschlecht, zunehmendes Alter, Erbanlagen, ungesunde Ernährungsweisen (etwa viele Kalorien, hoher Salzkonsum), vorbestehende Grunderkrankung(en), Medikamenteneinnahme, Bewegungsmangel und Stress [19, 20].

Mögliche Folgen: Was passiert, wenn Bluthochdruck nicht behandelt wird?

Ein nicht entdeckter bzw. dauerhafter Bluthochdruck kann zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Organschäden führen. Je länger die Blutgefäße einem erhöhten Druck ausgesetzt sind, desto größer können die Schäden werden.

Mögliche Folgen von Bluthochdruck sind:

Erklärvideo: Warum ist Bluthochdruck gefährlich?

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Ein zu hoher Blutdruck kann gefährliche Folgen haben. In diesem Video des Gesundheitsministeriums wird erklärt, warum Bluthochdruck in der Regel behandelt werden sollte.

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PDF: Hintergründe zu Bluthochdruck

Quellen

[1] Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie – Langfassung, Version 1.0. 2023. Nachfolgend „NVL“.

[2] National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Hypertension in adults: diagnosis and management. NICE Clinical Guideline; 136, 2019. Zugriff am 07.10.2022.

[3] Williams B, Mancia G, Spiering W, et al.: ESC/ESH Guidelines for the management of arterial hypertension. Eur Heart J 2018; 39(33):3021–104. Zugriff am 07.10.2022.

[4] Lurbe E, Agabiti-Rosei E, Cruickshank JK, Dominiczak A, Erdine S, Hirth A, Invitti C, Litwin M, Mancia G, Pall D, Rascher W, Redon J, Schaefer F, Seeman T, Sinha M, Stabouli S, Webb NJ, Wühl E, Zanchetti A. 2016 European Society of Hypertension guidelines for the management of high blood pressure in children and adolescents. J Hypertens. 2016 Oct;34(10):1887-920. Zugriff am 07.10.2022.

[5] Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Hausärztliche Risikoberatung zur kardiovaskulären Prävention, Leitlinien-Detailansicht. 2016. Zugriff am 07.10.2022.

[6] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Wie funktioniert der Kreislauf? 2019. Zugriff am 07.10.2022.

[7] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Bluthochdruck (Hypertonie) 2019. Zugriff am 07.10.2022.

[8] Stiftung Gesundheitswissen: Was ist Bluthochdruck (Hypertonie)? Zugriff am 07.10.2022.

[9] Neuhauser H, Adler C, Diederichs C, Schaffrath Rosario A & Ellert U: Erhöhter Blutdruck in Deutschland. Epidemiologisches Bulletin 5/2015, S. 34. Robert Koch-Institut, Berlin. Zugriff am 07.10.2022.

[10] NVL, Kapitel 3 Diagnostik, Tabelle 5: Hypertoniespezifische Anamnese und körperliche Untersuchung, S. 14

[11] Neuhauser H, Kuhnert R, Born S: 12-Monats-Prävalenz von Bluthochdruck in Deutschland. Journal of Health Monitoring 2017 2(1) DOI 10.17886/RKI-GBE-2017-007. Robert Koch-Institut, Berlin. Zugriff am 07.10.2022.

[12] NCD Risk Factor Collaboration: Worldwide trends in blood pressure from 1975 to 2015: a pooled analysis of 1479 population-based measurement studies with 19·1 million participants. Lancet. 2017 Jan 7; 389(10064):37-55. Zugriff am 07.10.2022.

[13] Neuhauser H, Thamm M, Ellert U. Blutdruck in Deutschland 2008-2011: Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsbl. 56, 795–801 (2013). Zugriff am 07.10.2022.

[14] Holstiege J, Akmatov MK, Steffen A, et al. Diagnoseprävalenz der Hypertonie in der vertragsärztlichen Versorgung – aktuelle deutschlandweite Kennzahlen. Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi). Versorgungsatlas-Bericht Nr. 20/01. Berlin 2020. Zugriff am 07.10.2022.

[15] NVL, Kapitel 3 Diagnostik, Sekundäre Hypertonie, S. 23f

[16] NVL, Kapitel 3 Diagnostik, Tabelle 6: Klinische Hinweise für eine sekundäre Hypertonie, S. 23f

[17] Franzkowiak P: BZgA-Leitbegriffe: Risikofaktoren und Risikofaktorenmodell. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 2018. Zugriff am 07.10.2022.

[18] NVL, Kapitel 3 Diagnostik, Tabelle 3: Kardiovaskuläre Risikofaktoren, S. 13

[19] NVL, Kapitel 5 Therapieplanung, Abbildung 3: Blutdruck-Zielkorridor, S. 33

[20] NVL, Kapitel 6 Nichtmedikamentöse Therapie, alle Faktoren