Bei der Wahl der passenden Medikation können Sie sich am untenstehenden Algorithmus orientieren [5]. Die NVL empfiehlt zudem:
Empfehlung | Empfehlungsgrad |
---|---|
Die Wirkstoffwahl und die Entscheidung zur Kombinationstherapie sollen unter patientenindividuellen Abwägungen und partizipativ getroffen werden. | ↑↑ |
Erfolgt eine Kombinationstherapie, sollte diese bevorzugt als Fixkombination angeboten werden. | ↑ |
Mehr dazu finden Sie auf dieser Seite im Reiter Therapieplanung → Ziele vereinbaren unter Blutdruck-Zielwerte: Ein Korridor je nach Begleitfaktoren.
Algorithmus medikamentöse Therapie
Hinweis: Die medikamentöse Behandlung ist hier in einem Flowchart umgesetzt. Dieses kann auf mobilen Endgeräten nicht gut dargestellt werden. Wir empfehlen daher die Nutzung eines größeren Bildschirms (etwa Laptop / Desktop).
Ist eine medikamentöse Therapie auf Grundlage der individuellen Therapiezielvereinbarung indiziert, wird in der NVL Hypertonie das nachfolgende Vorgehen empfohlen [5].
Abschätzung kardiovaskulärer Risiken, Komorbidität, Gebrechlichkeit

Definition der Schweregrade einer Hypertonie
Bluthochdruck kann verschiedene Schweregrade annehmen (siehe Tabelle). Ab Grad 1 liegt Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) vor:
Kategorie | Systolisch (mmHg) | Diastolisch (mmHg) | |
---|---|---|---|
Normal | 120-129 | und / oder | 80-84 |
Hochnormal | 130-139 | und / oder | 85-89 |
Hypertonie Grad 1 | 140-159 | und / oder | 90-99 |
Hypertonie Grad 2 | 160-179 | und / oder | 100-109 |
Hypertonie Grad 3 | ≥ 180 | und / oder | ≥ 110 |
Isolierte systolische Hypertonie * | ≥ 140 | und | < 90 |
(Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie: Kapitel 1, Tabelle 1, S. 2)
Blutdruck kann aber auch zu niedrig sein. Ein optimaler Blutdruckwert ist von Person zu Person unterschiedlich und sollte immer ärztlich abgeklärt werden.

Hypertonie Grad 1
UND
geringes kardiovaskuläres Risiko ODER Gebrechlichkeit

Monotherapie


Hypertonie Grad 2 / 3
ODER
Grad 1 UND hohes kardiovaskuläres Risiko

bevorzugt Kombinationstherapie

Wirkstoffklassen der ersten Wahl
Die Nationale VersorgungsLeitlinie nennt die nachfolgenden Wirkstoffklassen der ersten Wahl:
Wirkstoffklasse | Kommentar | Häufige unerwünschte Wirkungen |
---|---|---|
Angiotensin-Konversionsenzymhemmer (ACE-Hemmer, ACEI) Angiotensin-II-Rezeptorblocker (AT-II-Blocker, ARB) | – zu ACEI bessere Datenlage als ARB [7] – Wirksamkeit: ARB im Vergleich zu ACEI nicht statistisch signifikant unterlegen [8] – ARB bessere Verträglichkeit als ACEI in Bezug auf unerwünschte Wirkungen wie Husten – erste Wahl auch bei Komorbidität Diabetes / metabolischem Syndrom und chronischer Herzinsuffizienz – teratogen, kein Einsatz bei (geplanter) Schwangerscshaft | – Hyperkaliämie – Angioödem – Reizhusten (insbesondere ACEI) |
Kalziumkanalblocker | – gute Verträglichkeit, aber schlechtere Datenlage insgesamt (gute Datenlage für Schlaganfall) [7] – beste Alternative oder Kombination zu Angiotensin-II-Rezeptorblocker / ACE-Hemmer bei Diabetes / metabolischem Syndrom, da metabolisch neutral – Ödembildung in Kombination mit ARB oder Renin-Inhibitor verringert | – Ödembildung (insbesondere bei Dihydropyridin-Kalziumkanalblockern) – Bradykardie (insbesondere bei Non-Dihydropyridin-Kalziumkanalblockern) – Migräne |
Thiazidartige Diuretika oder Thiazide | – gute Wirksamkeit [7] – Chlortalidon und Indapamid sind stärker und länger wirksam als Hydrochlorothiazid in niedriger Dosierung (bis 25 mg/d) [9-11] | potentielle Nebenwirkungen / Risiken beachten: – Störungen im Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt (v. a. Hypokaliämie und Hyponatriämie) – Adhärenzproblematik durch Diurese – Erhöhung der Blutglukose, der Triglycderide und des Diabetesrisikos (besonders in höheren Dosierungen) – Photosensibilisierung mit erhöhtem Risiko für weißen Hautkrebs als Klasseneffekt zu vermuten |
Weitere Wirkstoffklassen und spezifische Therapie
Tabelle: Weitere Wirkstoffklassen für spezielle Personengruppen
Wirkstoffklasse | Kommentar | Häufige unerwünschte Wirkungen |
---|---|---|
Aldosteron-Antagonisten | – Therapieresistente Hypertonie (siehe – Bei Unverträglichkeit: Eplerenon (Dosisäquivalenz bei Umstellung beachten) – Primärer Hyperaldosteronismus | ): Spironolacton– Hyperkaliämie, Hyponatriämie – Gynäkomastie bei Männern (Spironolacton), Brustspannen bei Frauen (Spironolacton) – gastrointestinale Nebenwirkungen (Eplerenon) |
Alphablocker |
| – Hypotonie, orthostatische Hypotonie (insbesondere Dibenzyran) – Ungeeignet bei Herzinsuffizienz und Koronarer Herzkrankheit (ALLHAT-Studie), – Risiko für orthostatische Dysregulation mit erhöhter Sturzneigung, potenziell ungeeignete Medikation bei Älteren (PIM) |
Betablocker |
| – Erhöhung der Blutglukose, Triglyceride und des Diabetesrisikos, Schlafstörungen, – Beeinträchtigung der Libido/Erektionsstörungen |
Kaliumsparende Diuretika | – Kombination Amilorid mit Hydrochlorothiazid (HCT) reduziert Auswirkungen auf den Kaliumspiegel und metabolische Effekte von HCT – Zweite Wahl oder Ergänzung zu Spironolacton bei primärem Hyperaldosteronismus | Hyperkaliämie |
Renin-Inhibitoren | – Blutdrucksenkung vergleichbar mit ACE-Hemmern oder Angiotensin-II-Rezeptorblockern – Kombination mit anderen Antihypertensiva möglich; ausgenommen mit ACE-Hemmern oder Angiotensin-II-Rezeptor-Blockern – Kontraindikation bei Patient*innen mit Diabetes mellitus oder einer Nierenfunktionsstörung (glomeruläre Filtrationsrate < 60 ml/min/1,73 m2 Körperoberfläche) – Erhöhte Kosten im Vergleich zu ACEI/ARB | – Hyperkaliämie – erhöhtes Mortalitätsrisiko bei Patient*innen mit Diabetes mellitus |
Schleifendiuretika | – Geringe Blutdrucksenkung – Einsatz bevorzugt bei symptomatischen Patient*innen mit Chronischer Herzinsuffizienz und zur Ausschwemmung von Ödemen und bei Chronischer Nierenkrankheit | Hypokaliämie |
Zentrale Alpha-2-Agonisten | – Methyldopa – Clonidin – Moxonidin | – Wasser- und Kochsalzretention – anticholinerge Effekte (Clonidin, PIM) |
Direkte Vasodilatatoren |
| – Tachykardie (Dihydralazin, Minoxidil) – Ödembildung (v. a. bei Minoxidil) – Haarwuchs (Minoxidil, Leidensdruck v. a. bei Frauen zu beachten) |

Wirkstoffwahl bei Komorbiditäten
Nach Schlaganfall
- bevorzugt Kalziumkanalblocker oder ACEI
- thiazidartige Diuretika
Herzinsuffizienz
- bevorzugt ACEI / ARB,
- Betablocker,
- (symptomatisch Diuretika)
Mehr dazu siehe » Nationale VersorgungsLeitlinie Herzinsuffizienz
Koronare Herzkrankheit
- bevorzugt Betablocker,
- ACEI / ARB,
- Kalziumkanalblocker
Mehr dazu siehe » Nationale VersorgungsLeitlinie Koronare Herzkrankheit
Diabetes
- bevorzugt ACEI / ARB,
- Kalziumkanalblocker
Mehr dazu siehe » Nationale VersorgungsLeitlinie Diabetes
Niereninsuffizienz
- bevorzugt ACEI / ARB
- dann Schleifendiuretikum, eGFR < 30mL/min/1,7m2 Körperoberfläche


Kombinationstherapie: + weitere Wirkstoffe
Empfehlung | Empfehlungsgrad |
---|---|
Vor Therapieeskalation sollen folgende Aspekte erfragt bzw. geprüft werden: – Adhärenz – zeitweise Einnahme blutdrucksteigernder Medikamente – eine orthostatische Hypotonie – Gebrechlichkeit. | ↑↑ |
Wenn eine Eskalation indiziert ist, sollte zunächst ein zweiter Wirkstoff hinzugefügt werden, bevor ein Wirkstoff maximal ausdosiert wird. | ↑ |
Die Leitliniengruppe sieht einen Vorteil einer Fixkombination gegenüber der freien Kombination zur Förderung der Persistenz und Adhärenz sowie zur Reduktion der Tablettenlast, wobei insbesondere bei schwer einstellbarer Hypertonie bessere Therapieergebnisse erwartet werden (vgl.
, sehr geringe Aussagesicherheit der Evidenz) – ergänzend siehe auch die Empfehlungen , , , sowie die Empfehlungen , und ).Details zu Wirkstoffen finden Sie auf dieser Seite unter » Wirkstoffklassen der ersten Wahl.

- Überweisung in ein spezialisiertes Hypertonie-Zentrum erwägen
- Ausschluss einer pseudo-resistenten Hypertonie oder sekundären Hypertonie

Therapieresistente Hypertonie
Die therapieresistente primäre Hypertonie wird definiert als das Nichterreichen des Zielblutdrucks trotz tolerierter maximaler Dosierung von drei Antihypertensiva (vorzugsweise RAS-Blocker / Sartan, Kalziumkanalblocker, thiazidartiges Diuretikum).
In diesem Fall wird nachfolgendes Vorgehen empfohlen:
Kalium < 4,5 mmol/L
UND
GFR > 45 mL/min/1,73 m2 Körperoberfläche

+ ZUSÄTZLICH
niedrig dosiertes Spironolacton (25 mg)
(bei Unverträglichkeit Eplerenon)
Kalium > 4,5 mmol/L
UND
GFR < 45 mL/min/1,73 m2 Körperoberfläche

+ ZUSÄTZLICH
Alpha-Blocker oder Beta-Blocker
Abkürzungen
- ACEI: Angiotensin-Konversionsenzym-Hemmer (ACE-Hemmer)
- ARB: Angiotensin-II-Rezeptorblocker
- eGFR: geschätzte glomeruläre Filtrationsrate als Abschätzung der Kreatinin-Clearance
Polymedikation
Der Einfluss einer Polymedikation sowie von Arzneimittelinteraktionen ist individuell und nach deren Relevanz zu berücksichtigen. Unter Abwägung von Sicherheitsaspekten können Faktoren wie höheres Alter, Schwindel oder Sturzgefahr sowie eine bestehende Polymedikation dazu führen, dass höhere Blutdruckzielwerte tolerierbar werden. In der klinischen Erfahrung der Leitliniengruppe zeigt sich, dass für normnahe Blutdruckzielwerte ggf. mehrere Wirkstoffe und/ oder höhere Dosierungen eingesetzt werden müssen, was mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für unerwünschte Wirkungen oder Wechselwirkungen einhergehen kann [6].
Empfehlung | Empfehlungsgrad |
---|---|
Bei Polymedikation sollte eine Medikationsanalyse durchgeführt und in die Therapieplanung einbezogen werden, ggf. interprofessionell. | ↑ |
Dieses Vorgehen soll folgenden Nutzen haben:
- Vermeidung von schädlichen Wechselwirkungen
- Stärkung der Arzneimitteltherapiesicherheit
- interprofessioneller Austausch durch Ärzt*innen und Apotheker*innen sowie die Einbindung weiterer Gesundheitsberufe zur Begleitung der Patient*innen kann dabei hilfreich sein, wird aber nicht immer notwendig für Patient*innen mit Hypertonie.
Hypertensive Entgleisung / hypertensiver Notfall
Die Leitliniengruppe einigt sich konsensbasiert und unter Berücksichtigung internationaler Diskussionen und Leitlinien auf die Definition der hypertensiven Entgleisung als Abgrenzung zum hypertensiven Notfall und zeigt medikamentöse Handlungsoptionen für beide Fälle auf. Aus einem Notfall ergibt sich nach Einschätzung der Leitliniengruppe dringlicher stationärer Handlungsbedarf, während eine Entgleisung zwar ein ernstzunehmendes und therapiebedürftiges, aber kein notfallmäßiges Ereignis darstellt.
Ziel ist, den rechtzeitigen Übergang in die stationäre Versorgung für den Notfall zu gewährleisten und den Handlungsbedarf bei einer Entgleisung davon abzugrenzen [5].
Hinweis: Die empfohlene Behandlung ist hier in einem Flowchart umgesetzt. Dieses kann auf mobilen Endgeräten nicht gut dargestellt werden. Wir empfehlen daher die Nutzung eines größeren Bildschirms (etwa Laptop / Desktop).
Hypertensive Entgleisung
Mit einer hypertensiven Entgleisung ist der Fall gemeint, dass der Blutdruck
- einen systolischen Wert > 180 mmHg
- einen diastolischen Wert > 110 mmHg
annimmt OHNE akute Begleitsymptome.

Kontrollmessung nach 30 min Ruhe
Empfehlung | Empfehlungsgrad |
---|---|
Bei einer „hypertensiven Entgleisung“ sollte eine Kontrollmessung nach etwa 30 min Abwarten in einer Ruhesituation erfolgen. | ↑ |
Bevor medikamentöse Therapieoptionen indiziert werden, sollte in der Regel geklärt werden, ob der Patient * die Patientin seine*ihre regelmäßige Medikation eingenommen hat.

Bei Persistenz: Moderate Blutdrucksenkung
Empfehlung | Empfehlungsgrad |
---|---|
Bei einer „hypertensiven Entgleisung“ sollte eine moderate Blutdrucksenkung (Anpassung der oralen Medikation gemäß Algorithmus zur medikamentösen Therapie) bei Persistenz nach 30 min Ruhe erfolgen. | ↑ |
Bei einer „hypertensiven Entgleisung“, d. h. ohne Hinweis auf einen hypertensiven Notfall, sollten kurzwirksame/sublinguale Medikamente vermieden werden. | ↓ |
Hypertensiver Notfall
Mit einem hypertensiven Notfall ist der Fall gemeint, dass der Blutdruck
- einen systolischen Wert > 180 mmHg
- einen diastolischen Wert > 110 mmHg
annimmt UND akute Begleitsymptome auftreten, wie etwa
- Ruhedyspnoe
- Schlaganfall
- ACS
- Aortendissektion
- Lungenödem
- rasch progrediente oder neu auftretende Nierenkrankheit
- akute schwere Blutung.
Gleiches gilt für den Verdacht auf Endorganschäden, konkrete Schäden …
… am Gehirn
- Enzephalopathie
- Intrazerebrale Blutung
- Ischämischer Schlaganfall
… am Herz
- Akutes Koronarsyndrom
- Aortendissektion
- Herzinsuffizienz
… an der Lunge
- Lungenödem
… an den Nieren
- Niereninsuffizienz

Stationäre Aufnahme
Empfehlung | Empfehlungsgrad |
---|---|
Bei einem hypertensiven Notfall soll eine umgehende Krankenhauseinweisung erfolgen. | ↑↑ |

Medikamentöse Therapieoptionen
Eine Übersicht der Therapieoptionen finden Sie weiter unten auf dieser Seite in der Tabelle » Ausgewählte Notfallmedikamente
Stationäre Aufnahme
Tabelle: Ausgewählte Notfallmedikamente
Wirkstoff | Initial * | Erhaltung * | Kontraindikation (Bsp.) |
---|---|---|---|
auch ambulant eingesetzt | |||
Glyceroltrinitrat (sublingual) | 0,5 – 1 mg/h | max. 8 – 10 mg/h | – erhöhter intrakranieller Druck; – Phosphodiesterasehemmer-Anwendung. |
Urapidil (intravenös) | 12,5 mg (bis max. 50 mg) initial | 5 – 40 mg/h | – Aortenisthmusstenose, arteriovenöser Shunt; – besondere Vorsicht bei Herzinsuffizienz, die durch mechanische Funktionsbehinderung bedingt ist (Mitralstenose, Aortenklappenstenose), bei Lungenembolie und bei Perikarderkrankungen. |
Amlopidin (peroral) | 5 – 10 mg | 5 – 10 mg | – instabile Angina pectoris; – akuter Myokardinfarkt; – schwere Leberfunktionsstörung. |
Clonidin (oral, subkutan, intramuskulär oder intravenös) | 0,075 mg | 0,075 mg pro 12 Stunden | – instabile Angina pectoris; – akuter Myokardinfarkt; – Sinusknotensyndrom; – Bradykardie; – AV-Block II. und III. Grades; – fortgeschrittene arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). |
Furosemid (peroral, intravenös) | z. B. 20-40 mg | – neben weiteren therapeutischen Maßnahmen; – Wirkdauer bei Niereninsuffizienz bis zu 24 Stunden; – Dosierung/-intervall richten sich u. a. nach den Begleitumständen (z. B. Ödeme). | |
eher stationär eingesetzt | |||
Enalaprilat (intravenös) | initial 1,25 mg (über 5 Minuten) | Dosiserhöhung bis auf 5 mg / 6 Stunden | – Schwangerschaft; – Myokardinfarkt; – Bilaterale Nierenarterienstenose. |
Esmolol (intravenös) | Loading dose 500 – 1000 mcg/kg/min (über 1 Minute) | 50 mcg/kg/min | – bereits bestehende Betablockertherapie; – Bradykardie; – (dekompensierte) Herzinsuffizienz. |
Nitroprussidnatrium (intravenös) | 0,3 – 0,5 mcg/kg/min | Steigerung um 0,5 mcg/kg/min | – cave: intraarterielle oder engmaschige Blutdruckmessung empfohlen. |
* nach ACC/AHA Leitlinie [12], u. a. abhängig von Indikation moderat oder schnell auf Zielblutdruck zu senken |
Medikation bei Kinderwunsch
Empfehlung | Empfehlungsgrad |
---|---|
Frauen im gebärfähigen Alter sollen für die medikamentöse, antihypertensive Therapie bei Kinderwunsch Wirkstoffe nach untenstehender Tabelle angeboten werden. | ↑↑ |
Tabelle: Wirkstoffe der Wahl bei arterieller Hypertonie und Kinderwunsch
Wirkstoff | Vorteile | Nachteile |
---|---|---|
Nifedipin (Kalziumkanalblocker) | – Nifedipin gehört zum Kreis der Wirkstoffe erster Wahl zur Behandlung der Hypertonie ohne weitere Komorbidität – günstiges Nebenwirkungsprofil – retardierte Darreichungsformen einsetzen – Einsatz in der Stillzeit möglich | – kaum publizierte Daten zur Anwendung im 1. Trimenon |
Metoprolol (Betablocker) | – breiter untersucht im ersten Trimenon – eine bestehende Therapie mit Betablockern kann auf Metoprolol um-/eingestellt werden – Einsatz in der Stillzeit möglich – Hinweis: Wirksamkeit und Sicherheit bei Labetalol aus klinischen Studien besser belegt, aber in Deutschland nicht zugelassen | – u. a. erhöhtes Risiko fetaler Wachstumsrestriktionen |
Alpha-Methyldopa (zentraler Alpha-2-Agonist) | -eines der ältesten Antihypertensiva mit guter Verträglichkeit in der Schwangerschaft (langjährige Erfahrung) – Einsatz in der Stillzeit möglich (bei längerfristig notwendiger Therapie Umstellung auf ein wirksameres Antihypertensivum) | – geringe Datenlage zur Anwendung im 1. Trimenon |
Off-Label-Use
Mit „Off-Label-Use“ ist der zulassungsüberschreitende Einsatz eines Arzneimittels gemeint. Wirkstoffe müssen bestimmte Kriterien erfüllen, um als Off-Label-Use in der klinischen Praxis eingesetzt werden zu können:
• nachgewiesene Wirksamkeit;
• günstiges Nutzen-Risikoprofil;
• fehlende Alternativen – Heilversuch.
Ein „Off-Label-Use“ ist nur bei schwerwiegenden Erkrankungen zulässig, wenn es keine Behandlungsalternative gibt.
Ärzt*innen haben eine Aufklärungspflicht, wenn sie ein Medikament außerhalb der Zulassung einsetzen möchten. Dabei ist es wichtig, dass Patient*innen im Vorfeld über die möglichen Folgen und Risiken einer Behandlung mit einem Medikament im Off-Label-Use aufgeklärt werden.
Informationen zum Herunterladen
Im Patientenblatt Medikamente 1 (Therapie) finden Sie grundsätzliche Hinweise zur Einnahme von blutdrucksenkenden Mitteln. Zusätzlich haben wir eine Übersicht häufig verwendeter Bluthochdruck-Medikamente zusammengestellt (Medikamente 2 – Überblick) mit Wirkweise, häufigen Nebenwirkungen und Besonderheiten.
Beide Dokumente können Sie sie als PDF herunterladen. Klicken Sie dafür auf die jeweilige Grafik.
Literatur
weiterführende Literatur
Medikamentenadhärenz
Improving medication adherence in hypertensive patients: A scoping review – PubMed (nih.gov)
Interventions for enhancing medication adherence https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD000011.pub4/full
Interventions for improving adherence to treatment in patients with high blood pressure in ambulatory settings https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD004804/full
Off-Label-Use
BfArM – Expertengruppen Off-Label
„Off-Label-Use“: Worauf muss man achten? (gesundheitsinformation.de)