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Medikation

Bei der Wahl der passenden Medikation können Sie sich am untenstehenden Algorithmus orientieren [5]. Die NVL empfiehlt zudem:

NVL-Empfehlung
EmpfehlungEmpfehlungsgrad
Die Wirkstoffwahl und die Entscheidung zur Kombinationstherapie sollen unter patientenindividuellen Abwägungen und partizipativ getroffen werden.↑↑
Erfolgt eine Kombinationstherapie, sollte diese bevorzugt als Fixkombination angeboten werden.
Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie: Kapitel 7 Medikamentöse Therapie, Empfehlung 7-2, S. 65. Empfehlung 7-5, S. 67.

Mehr dazu finden Sie auf dieser Seite im Reiter Therapieplanung → Ziele vereinbaren unter Blutdruck-Zielwerte: Ein Korridor je nach Begleitfaktoren.

Algorithmus medikamentöse Therapie

Hinweis: Die medikamentöse Behandlung ist hier in einem Flowchart umgesetzt. Dieses kann auf mobilen Endgeräten nicht gut dargestellt werden. Wir empfehlen daher die Nutzung eines größeren Bildschirms (etwa Laptop / Desktop).

Ist eine medikamentöse Therapie auf Grundlage der individuellen Therapiezielvereinbarung indiziert, wird in der NVL Hypertonie das nachfolgende Vorgehen empfohlen [5].

Abschätzung kardiovaskulärer Risiken, Komorbidität, Gebrechlichkeit

Definition der Schweregrade einer Hypertonie

Bluthochdruck kann verschiedene Schweregrade annehmen (siehe Tabelle). Ab Grad 1 liegt Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) vor:

KategorieSystolisch (mmHg)Diastolisch (mmHg)
Normal120-129und / oder80-84
Hochnormal130-139und / oder85-89
Hypertonie Grad 1140-159und / oder90-99
Hypertonie Grad 2160-179und / oder100-109
Hypertonie Grad 3≥ 180und / oder≥ 110
Isolierte systolische Hypertonie *≥ 140und< 90
* besteht dann, wenn die systolischen Werte erhöht sind, aber die diastolischen Werte im normalen Bereich liegen.
(Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie: Kapitel 1, Tabelle 1, S. 2)

Blutdruck kann aber auch zu niedrig sein. Ein optimaler Blutdruckwert ist von Person zu Person unterschiedlich und sollte immer ärztlich abgeklärt werden.

Hypertonie Grad 1

UND

geringes kardiovaskuläres Risiko ODER Gebrechlichkeit

Monotherapie

Hypertonie Grad 2 / 3

ODER

Grad 1 UND hohes kardiovaskuläres Risiko

bevorzugt Kombinationstherapie

Wirkstoffklassen der ersten Wahl

Die Nationale VersorgungsLeitlinie nennt die nachfolgenden Wirkstoffklassen der ersten Wahl:

WirkstoffklasseKommentarHäufige unerwünschte Wirkungen
Angiotensin-Konversionsenzymhemmer (ACE-Hemmer, ACEI)
Angiotensin-II-Rezeptorblocker (AT-II-Blocker, ARB)
– zu ACEI bessere Datenlage als ARB [7]
– Wirksamkeit: ARB im Vergleich zu ACEI nicht statistisch signifikant unterlegen [8]
– ARB bessere Verträglichkeit als ACEI in Bezug auf unerwünschte Wirkungen wie Husten
– erste Wahl auch bei Komorbidität Diabetes / metabolischem Syndrom und chronischer Herzinsuffizienz
– teratogen, kein Einsatz bei (geplanter) Schwangerscshaft
– Hyperkaliämie
– Angioödem
– Reizhusten (insbesondere ACEI)
Kalziumkanalblocker– gute Verträglichkeit, aber schlechtere Datenlage insgesamt (gute Datenlage für Schlaganfall) [7]
– beste Alternative oder Kombination zu Angiotensin-II-Rezeptorblocker / ACE-Hemmer bei Diabetes / metabolischem Syndrom, da metabolisch neutral
– Ödembildung in Kombination mit ARB oder Renin-Inhibitor verringert
– Ödembildung (insbesondere bei Dihydropyridin-Kalziumkanalblockern)
– Bradykardie (insbesondere bei Non-Dihydropyridin-Kalziumkanalblockern)
– Migräne
Thiazidartige Diuretika oder Thiazide– gute Wirksamkeit [7]
– Chlortalidon und Indapamid sind stärker und länger wirksam als Hydrochlorothiazid in niedriger Dosierung (bis 25 mg/d) [9-11]
potentielle Nebenwirkungen / Risiken beachten:
– Störungen im Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt (v. a. Hypokaliämie und Hyponatriämie)
– Adhärenzproblematik durch Diurese
– Erhöhung der Blutglukose, der Triglycderide und des Diabetesrisikos (besonders in höheren Dosierungen)
– Photosensibilisierung mit erhöhtem Risiko für weißen Hautkrebs als Klasseneffekt zu vermuten
Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie: Kapitel 7 Medikamentöse Therapie, S. 57

Weitere Wirkstoffklassen und spezifische Therapie

Tabelle: Weitere Wirkstoffklassen für spezielle Personengruppen

WirkstoffklasseKommentarHäufige unerwünschte Wirkungen
Aldosteron-Antagonisten– Therapieresistente Hypertonie (siehe Definition 7-7): Spironolacton
– Bei Unverträglichkeit: Eplerenon (Dosisäquivalenz bei Umstellung beachten)
– Primärer Hyperaldosteronismus
– Hyperkaliämie, Hyponatriämie
– Gynäkomastie bei Männern (Spironolacton), Brustspannen bei Frauen (Spironolacton)
– gastrointestinale Nebenwirkungen (Eplerenon)
Alphablocker
  • erste Wahl zur medikamentösen Therapie bei Phäochromozytom (vor Operation):
    • bevorzugt Dibenzyran (irreversible alpha1- und alpha2-Rezeptorblockade)
    • Doxazosin (reversible alpha1-Rezeptorblockade) möglich bei mehrmaliger täglicher Gabe und entsprechender Dosierung
    • Urapidil (insbesondere in Notfallsituationen sowie zur kontrollierten Blutdrucksenkung bei Hochdruckpatient*innen während und/oder nach Operationen)
    • Kombination mit Betablocker nur nach Einsatz eines Alphablockers (Gefahr einer hypertensiven Krise)
  • zweite Wahl, ggf. Einsatz bei Komorbidität benigner Prostatahyperplasie sinnvoll, da auch hier wirksam
– Hypotonie, orthostatische Hypotonie (insbesondere Dibenzyran)
– Ungeeignet bei Herzinsuffizienz und Koronarer Herzkrankheit (ALLHAT-Studie),
– Risiko für orthostatische Dysregulation mit erhöhter Sturzneigung, potenziell ungeeignete Medikation bei Älteren (PIM)
Betablocker
  • Kardiale Indikationen:
    • chronische Herzinsuffizienz bei eingeschränkter systolischer Ejektionsfraktion ≤ 40%
    • koronare Herzkrankheit (KHK) inklusive Zustand nach Myokardinfarkt
    • tachykarde Herzrhythmusstörungen
    • Vorhofflimmern
  • Hinweis: Kontraindikation bei Asthma; wenn unverzichtbar, dann kardioselektive (β1) Betablocker bevorzugen
  • Bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung möglich (siehe NVL COPD)
  • Betablocker befinden sich auf der Dopingliste – junge Menschen/Sport
– Erhöhung der Blutglukose, Triglyceride und des Diabetesrisikos, Schlafstörungen,
– Beeinträchtigung der Libido/Erektionsstörungen
Kaliumsparende Diuretika– Kombination Amilorid mit Hydrochlorothiazid (HCT) reduziert Auswirkungen auf den Kaliumspiegel und metabolische Effekte von HCT
– Zweite Wahl oder Ergänzung zu Spironolacton bei primärem Hyperaldosteronismus
Hyperkaliämie
Renin-Inhibitoren– Blutdrucksenkung vergleichbar mit ACE-Hemmern oder Angiotensin-II-Rezeptorblockern
– Kombination mit anderen Antihypertensiva möglich; ausgenommen mit ACE-Hemmern oder Angiotensin-II-Rezeptor-Blockern
– Kontraindikation bei Patient*innen mit Diabetes mellitus oder einer Nierenfunktionsstörung (glomeruläre Filtrationsrate < 60 ml/min/1,73 m2 Körperoberfläche)
– Erhöhte Kosten im Vergleich zu ACEI/ARB
– Hyperkaliämie
– erhöhtes Mortalitätsrisiko bei Patient*innen mit Diabetes mellitus
Schleifendiuretika– Geringe Blutdrucksenkung
– Einsatz bevorzugt bei symptomatischen Patient*innen mit Chronischer Herzinsuffizienz und zur Ausschwemmung von Ödemen und bei Chronischer Nierenkrankheit
Hypokaliämie
Zentrale Alpha-2-Agonisten– Methyldopa
– Clonidin
– Moxonidin
– Wasser- und Kochsalzretention
– anticholinerge Effekte (Clonidin, PIM)
Direkte Vasodilatatoren
  • Reservewirkstoff Minoxidil, Dihydralazin
    • Bevorzugt bei Dialysepatient*innen
    • Kombination wegen unerwünschter Wirkungen mit Betablocker und Diuretikum
  • engmaschiges Monitoring (Minoxidil) in der Einstellungsphase und Folge (z. B. EKG Verweis Diagnostik/Monitoring)
– Tachykardie (Dihydralazin, Minoxidil)
– Ödembildung (v. a. bei Minoxidil)
– Haarwuchs (Minoxidil, Leidensdruck v. a. bei Frauen zu beachten)

Wirkstoffwahl bei Komorbiditäten

Nach Schlaganfall

  • bevorzugt Kalziumkanalblocker oder ACEI
  • thiazidartige Diuretika

Herzinsuffizienz

  • bevorzugt ACEI / ARB,
  • Betablocker,
  • (symptomatisch Diuretika)

Mehr dazu siehe » Nationale VersorgungsLeitlinie Herzinsuffizienz

Koronare Herzkrankheit

  • bevorzugt Betablocker,
  • ACEI / ARB,
  • Kalziumkanalblocker

Mehr dazu siehe » Nationale VersorgungsLeitlinie Koronare Herzkrankheit

Diabetes

  • bevorzugt ACEI / ARB,
  • Kalziumkanalblocker

Mehr dazu siehe » Nationale VersorgungsLeitlinie Diabetes

Niereninsuffizienz

  • bevorzugt ACEI / ARB
  • dann Schleifendiuretikum, eGFR < 30mL/min/1,7m2 Körperoberfläche
THERAPIEZIEL NICHT ERREICHT?
Kontrolle der Adhärenz, bzw. von unerwünschten Wirkungen

Kombinationstherapie: + weitere Wirkstoffe

NVL-Empfehlung
EmpfehlungEmpfehlungsgrad
Vor Therapieeskalation sollen folgende Aspekte erfragt bzw. geprüft werden:
– Adhärenz
– zeitweise Einnahme blutdrucksteigernder Medikamente
– eine orthostatische Hypotonie
– Gebrechlichkeit.
↑↑
Wenn eine Eskalation indiziert ist, sollte zunächst ein zweiter Wirkstoff hinzugefügt werden, bevor ein Wirkstoff maximal ausdosiert wird.
Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie: Kapitel 7 Medikamentöse Therapie. Empfehlung 7-3 und 7-4, S. 66

Die Leitliniengruppe sieht einen Vorteil einer Fixkombination gegenüber der freien Kombination zur Förderung der Persistenz und Adhärenz sowie zur Reduktion der Tablettenlast, wobei insbesondere bei schwer einstellbarer Hypertonie bessere Therapieergebnisse erwartet werden (vgl. Empfehlung 7-5, sehr geringe Aussagesicherheit der Evidenz) – ergänzend siehe auch die Empfehlungen 5-6, 5-7, 5-8, 5-9 sowie die Empfehlungen 7-15, 9-3 und 9-4).

Details zu Wirkstoffen finden Sie auf dieser Seite unter » Wirkstoffklassen der ersten Wahl.

THERAPIEZIEL WEITERHIN NICHT ERREICHT?
Erneute Kontrolle der Adhärenz, bzw. von unerwünschten Wirkungen
  • Überweisung in ein spezialisiertes Hypertonie-Zentrum erwägen
  • Ausschluss einer pseudo-resistenten Hypertonie oder sekundären Hypertonie

Therapieresistente Hypertonie

Die therapieresistente primäre Hypertonie wird definiert als das Nichterreichen des Zielblutdrucks trotz tolerierter maximaler Dosierung von drei Antihypertensiva (vorzugsweise RAS-Blocker / Sartan, Kalziumkanalblocker, thiazidartiges Diuretikum).

In diesem Fall wird nachfolgendes Vorgehen empfohlen:

Kalium < 4,5 mmol/L

UND

GFR > 45 mL/min/1,73 m2 Körperoberfläche

+ ZUSÄTZLICH

niedrig dosiertes Spironolacton (25 mg)
(bei Unverträglichkeit Eplerenon)

Kalium > 4,5 mmol/L

UND

GFR < 45 mL/min/1,73 m2 Körperoberfläche

+ ZUSÄTZLICH

Alpha-Blocker oder Beta-Blocker

Abkürzungen
  • ACEI: Angiotensin-Konversionsenzym-Hemmer (ACE-Hemmer)
  • ARB: Angiotensin-II-Rezeptorblocker
  • eGFR: geschätzte glomeruläre Filtrationsrate als Abschätzung der Kreatinin-Clearance

Polymedikation

Der Einfluss einer Polymedikation sowie von Arzneimittelinteraktionen ist individuell und nach deren Relevanz zu berücksichtigen. Unter Abwägung von Sicherheitsaspekten können Faktoren wie höheres Alter, Schwindel oder Sturzgefahr sowie eine bestehende Polymedikation dazu führen, dass höhere Blutdruckzielwerte tolerierbar werden. In der klinischen Erfahrung der Leitliniengruppe zeigt sich, dass für normnahe Blutdruckzielwerte ggf. mehrere Wirkstoffe und/ oder höhere Dosierungen eingesetzt werden müssen, was mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für unerwünschte Wirkungen oder Wechselwirkungen einhergehen kann [6].

NVL-Empfehlung
EmpfehlungEmpfehlungsgrad
Bei Polymedikation sollte eine Medikationsanalyse durchgeführt und in die Therapieplanung einbezogen werden, ggf. interprofessionell.
Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie: Kapitel 7 Medikamentöse Therapie, Empfehlung 7-15, S. 81

Dieses Vorgehen soll folgenden Nutzen haben:

  • Vermeidung von schädlichen Wechselwirkungen
  • Stärkung der Arzneimitteltherapiesicherheit
  • interprofessioneller Austausch durch Ärzt*innen und Apotheker*innen sowie die Einbindung weiterer Gesundheitsberufe zur Begleitung der Patient*innen kann dabei hilfreich sein, wird aber nicht immer notwendig für Patient*innen mit Hypertonie.

Hypertensive Entgleisung / hypertensiver Notfall

Die Leitliniengruppe einigt sich konsensbasiert und unter Berücksichtigung internationaler Diskussionen und Leitlinien auf die Definition der hypertensiven Entgleisung als Abgrenzung zum hypertensiven Notfall und zeigt medikamentöse Handlungsoptionen für beide Fälle auf. Aus einem Notfall ergibt sich nach Einschätzung der Leitliniengruppe dringlicher stationärer Handlungsbedarf, während eine Entgleisung zwar ein ernstzunehmendes und therapiebedürftiges, aber kein notfallmäßiges Ereignis darstellt.
Ziel ist, den rechtzeitigen Übergang in die stationäre Versorgung für den Notfall zu gewährleisten und den Handlungsbedarf bei einer Entgleisung davon abzugrenzen [5].

Hinweis: Die empfohlene Behandlung ist hier in einem Flowchart umgesetzt. Dieses kann auf mobilen Endgeräten nicht gut dargestellt werden. Wir empfehlen daher die Nutzung eines größeren Bildschirms (etwa Laptop / Desktop).

Hypertensive Entgleisung

Mit einer hypertensiven Entgleisung ist der Fall gemeint, dass der Blutdruck

  • einen systolischen Wert > 180 mmHg
  • einen diastolischen Wert > 110 mmHg

annimmt OHNE akute Begleitsymptome.

Kontrollmessung nach 30 min Ruhe

NVL-Empfehlung
EmpfehlungEmpfehlungsgrad
Bei einer „hypertensiven Entgleisung“ sollte eine Kontrollmessung nach etwa 30 min Abwarten in einer Ruhesituation erfolgen.
Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie: Kapitel 7 Medikamentöse Therapie, Empfehlung 7-11, S. 78

Bevor medikamentöse Therapieoptionen indiziert werden, sollte in der Regel geklärt werden, ob der Patient * die Patientin seine*ihre regelmäßige Medikation eingenommen hat.

Bei Persistenz: Moderate Blutdrucksenkung

NVL-Empfehlung
EmpfehlungEmpfehlungsgrad
Bei einer „hypertensiven Entgleisung“ sollte eine moderate Blutdrucksenkung (Anpassung der oralen Medikation gemäß Algorithmus zur medikamentösen Therapie) bei Persistenz nach 30 min Ruhe erfolgen.
Bei einer „hypertensiven Entgleisung“, d. h. ohne Hinweis auf einen hypertensiven Notfall, sollten kurzwirksame/sublinguale Medikamente vermieden werden.
Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie: Kapitel 7 Medikamentöse Therapie, Empfehlung 7-12 und 7-13, S. 79

Hypertensiver Notfall

Mit einem hypertensiven Notfall ist der Fall gemeint, dass der Blutdruck

  • einen systolischen Wert > 180 mmHg
  • einen diastolischen Wert > 110 mmHg

annimmt UND akute Begleitsymptome auftreten, wie etwa

  • Ruhedyspnoe
  • Schlaganfall
  • ACS
  • Aortendissektion
  • Lungenödem
  • rasch progrediente oder neu auftretende Nierenkrankheit
  • akute schwere Blutung.

Gleiches gilt für den Verdacht auf Endorganschäden, konkrete Schäden …

… am Gehirn

  • Enzephalopathie
  • Intrazerebrale Blutung
  • Ischämischer Schlaganfall

… am Herz

  • Akutes Koronarsyndrom
  • Aortendissektion
  • Herzinsuffizienz

… an der Lunge

  • Lungenödem

… an den Nieren

  • Niereninsuffizienz

Stationäre Aufnahme

NVL-Empfehlung
EmpfehlungEmpfehlungsgrad
Bei einem hypertensiven Notfall soll eine umgehende Krankenhauseinweisung erfolgen.↑↑
Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie: Kapitel 7 Medikamentöse Therapie, Empfehlung 7-14, S. 79

Medikamentöse Therapieoptionen

Eine Übersicht der Therapieoptionen finden Sie weiter unten auf dieser Seite in der Tabelle » Ausgewählte Notfallmedikamente

Stationäre Aufnahme

Tabelle: Ausgewählte Notfallmedikamente

WirkstoffInitial *Erhaltung *Kontraindikation (Bsp.)
auch ambulant eingesetzt
Glyceroltrinitrat
(sublingual)
0,5 – 1 mg/hmax. 8 – 10 mg/h– erhöhter intrakranieller Druck;
– Phosphodiesterasehemmer-Anwendung.
Urapidil
(intravenös)
12,5 mg (bis max. 50 mg) initial5 – 40 mg/h– Aortenisthmusstenose, arteriovenöser Shunt;
– besondere Vorsicht bei Herzinsuffizienz, die durch mechanische Funktionsbehinderung bedingt ist (Mitralstenose, Aortenklappenstenose), bei Lungenembolie und bei Perikarderkrankungen.
Amlopidin
(peroral)
5 – 10 mg5 – 10 mg– instabile Angina pectoris;
– akuter Myokardinfarkt;
– schwere Leberfunktionsstörung.
Clonidin
(oral, subkutan, intramuskulär oder intravenös)
0,075 mg0,075 mg pro 12 Stunden– instabile Angina pectoris;
– akuter Myokardinfarkt;
– Sinusknotensyndrom;
– Bradykardie;
– AV-Block II. und III. Grades;
– fortgeschrittene arterielle Verschlusskrankheit (pAVK).
Furosemid
(peroral, intravenös)
z. B. 20-40 mg– neben weiteren therapeutischen Maßnahmen;
– Wirkdauer bei Niereninsuffizienz bis zu 24 Stunden;
– Dosierung/-intervall richten sich u. a. nach den Begleitumständen (z. B. Ödeme).
eher stationär eingesetzt
Enalaprilat
(intravenös)
initial 1,25 mg (über 5 Minuten)Dosiserhöhung bis auf 5 mg / 6 Stunden– Schwangerschaft;
– Myokardinfarkt;
– Bilaterale Nierenarterienstenose.
Esmolol
(intravenös)
Loading dose 500 – 1000 mcg/kg/min (über 1 Minute)50 mcg/kg/min– bereits bestehende Betablockertherapie;
– Bradykardie;
– (dekompensierte) Herzinsuffizienz.
Nitroprussidnatrium
(intravenös)
0,3 – 0,5 mcg/kg/minSteigerung um 0,5 mcg/kg/min– cave: intraarterielle oder engmaschige Blutdruckmessung empfohlen.
* nach ACC/AHA Leitlinie [12], u. a. abhängig von Indikation moderat oder schnell auf Zielblutdruck zu senken
NVL Hypertonie, Kapitel 7: Medikamentöse Therapie, S. 21 f.

Medikation bei Kinderwunsch

NVL-Empfehlung
EmpfehlungEmpfehlungsgrad
Frauen im gebärfähigen Alter sollen für die medikamentöse, antihypertensive Therapie bei Kinderwunsch Wirkstoffe nach untenstehender Tabelle angeboten werden.↑↑
Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie: Kapitel 7 Medikamentöse Therapie, Empfehlung 7-9, S. 76

Tabelle: Wirkstoffe der Wahl bei arterieller Hypertonie und Kinderwunsch

WirkstoffVorteileNachteile
Nifedipin
(Kalziumkanalblocker)
– Nifedipin gehört zum Kreis der Wirkstoffe erster Wahl zur Behandlung der Hypertonie ohne weitere Komorbidität
– günstiges Nebenwirkungsprofil
– retardierte Darreichungsformen einsetzen
– Einsatz in der Stillzeit möglich
– kaum publizierte Daten zur Anwendung im 1. Trimenon
Metoprolol
(Betablocker)
– breiter untersucht im ersten Trimenon
– eine bestehende Therapie mit Betablockern kann auf Metoprolol um-/eingestellt werden
– Einsatz in der Stillzeit möglich
– Hinweis: Wirksamkeit und Sicherheit bei Labetalol aus klinischen Studien besser belegt, aber in Deutschland nicht zugelassen
– u. a. erhöhtes Risiko fetaler Wachstumsrestriktionen
Alpha-Methyldopa
(zentraler Alpha-2-Agonist)
-eines der ältesten Antihypertensiva mit guter Verträglichkeit in der Schwangerschaft (langjährige Erfahrung)
– Einsatz in der Stillzeit möglich (bei längerfristig notwendiger Therapie Umstellung auf ein wirksameres Antihypertensivum)
– geringe Datenlage zur Anwendung im 1. Trimenon

Off-Label-Use

Mit „Off-Label-Use“ ist der zulassungsüberschreitende Einsatz eines Arzneimittels gemeint. Wirkstoffe müssen bestimmte Kriterien erfüllen, um als Off-Label-Use in der klinischen Praxis eingesetzt werden zu können:

• nachgewiesene Wirksamkeit;

• günstiges Nutzen-Risikoprofil;

• fehlende Alternativen – Heilversuch.

Ein „Off-Label-Use“ ist nur bei schwerwiegenden Erkrankungen zulässig, wenn es keine Behandlungsalternative gibt.

Ärzt*innen haben eine Aufklärungspflicht, wenn sie ein Medikament außerhalb der Zulassung einsetzen möchten. Dabei ist es wichtig, dass Patient*innen im Vorfeld über die möglichen Folgen und Risiken einer Behandlung mit einem Medikament im Off-Label-Use aufgeklärt werden.

Informationen zum Herunterladen

Im Patientenblatt Medikamente 1 (Therapie) finden Sie grundsätzliche Hinweise zur Einnahme von blutdrucksenkenden Mitteln. Zusätzlich haben wir eine Übersicht häufig verwendeter Bluthochdruck-Medikamente zusammengestellt (Medikamente 2 – Überblick) mit Wirkweise, häufigen Nebenwirkungen und Besonderheiten.

Beide Dokumente können Sie sie als PDF herunterladen. Klicken Sie dafür auf die jeweilige Grafik.

PDF: Medikamente 1 (Therapie)

PDF: Medikamente 2 (Überblick)

Literatur

[5] Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie – Langfassung, Version 1.0. 2023. Nachfolgend „NVL“. Kapitel 7 Medikamentöse Therapie.

[6] NVL, Kapitel 5 Partizipative Entscheidungsfindung und Therapieplanung.

[7] Wright JM, Musini VM, Gill R. First-line drugs for hypertension. Cochrane Database of Systematic Rev 2018;4(4):CD001841. DOI: 10.1002/14651858.CD001841.pub3. Zitiert nach [5].

[8] Li EC, Heran BS, Wright JM. Angiotensin converting enzyme (ACE) inhibitors versus angiotensin receptor blockers for primary hypertension. Cochrane Database of Systematic Reviews 2014(8):CD009096. DOI: 10.1002/14651858.CD009096.pub2. Zitiert nach [5].

[9] Dineva S, Uzunova K, Pavlova V, et al. Comparative efficacy and safety of chlorthalidone and hydrochlorothi-azide-meta-analysis. Journal of human hypertension 2019; 33(11):766–74. DOI: 10.1038/s41371-019-0255-2. Zitiert nach [5].

[10] Liang W, Ma H, Cao L, et al. Comparison of thiazide-like diuretics versus thiazide-type diuretics: A meta-analysis. Journal of cellular and molecular medicine 2017; 21(11):2634–42. DOI: 10.1111/jcmm.13205. Zitiert nach [5].

[11] Roush GC, Ernst ME, Kostis JB, et al. Head-to-head comparisons of hydrochlorothiazide with indapamide and chlorthalidone: Antihypertensive and metabolic effects. Hypertension (Dallas, Tex. 1979) 2015; 65(5):1041–6. DOI: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.114.05021 . Zitiert nach [5].

[12] Whelton PK, Carey RM, Aronow WS, Casey DE, Collins KJ, Dennison Himmelfarb C, et al. 2017 ACC/AHA/AAPA/ABC/ACPM/AGS/APhA/ASH/ASPC/NMA/PCNA Guideline for the Prevention, Detection, Evaluation, and Management of High Blood Pressure in Adults: Executive Summary: A Report of the American College of Cardiology/American Heart Association Task Force on Clinical Practice Guidelines. Hypertension 2018;71(6):1269–324. PubMed PMID: 29133354. Zitiert nach [5].