Lesen Sie hier mehr zur Therapieplanung [1] im Zusammenhang mit Bluthochdruck. Wir geben Ihnen einen Überblick dazu, wie Sie Ziele gemeinsam vereinbaren können, die Informiertheit der Patient*innen erhöhen und die Adhärenz stärken können.

Ärzt*innen und Patient*innen sollten sich gemeinsam auf Ziele der Behandlung verständigen. Mit einer guten Planung steigen die Aussichten auf Erfolg der Therapie.
Ziele vereinbaren
Beim Vereinbaren der Ziele ist es besonders wichtig, mit den Patient*innen die Vorteile einer gemeinsam abgestimmten Behandlung zu besprechen:
- eine Verbesserung der krankheitsbezogenen Lebensqualität,
- das Vermeiden weiterer kardiovaskulärer Erkrankungen,
- die Lebenserwartung zu erhalten oder zu steigern.
Generell sollte ein Ziel sein, die Morbidität zu senken.
Wenn beide Seiten die gemeinsam formulierten Absprachen kennen und sich auch daran halten, können die besten Therapieerfolge erzielt werden! Ihren Patient*innen können Sie dazu die Seite » Therapie-Team werden empfehlen.
Wie enge Absprachen den Therapieerfolg verbessern können
Empfehlung | Empfehlungsgrad |
---|---|
Patient*innen und Ärzt*innen sollen gemeinsam initial und wiederholt im Erkrankungsverlauf individuelle Therapieziele vereinbaren. | ↑↑ |
Wenn Ärzt*innen und Patient*innen die Therapie in enger Absprache planen, entstehen dadurch verschiedene Vorteile:
- Patient*innen sind tendenziell zufriedener mit der Behandlung.
- Patient*innen befolgen eher die Ratschläge der Ärzt*innen.
- Ein verbessertes Vertrauen zwischen Behandelnden und Behandelten kann entstehen.
- Sie können sicherstellen, dass die Therapie mit dem Alltag der Patient*innen gut vereinbar ist und die Belastung möglichst gering halten, die potentiell durch die Therapie entsteht.
- Autonome Patient*innen werden in die Entscheidungsfindung einbezogen.
Konkrete Hinweise, wie eine motivierende Kommunikation auf Augenhöhe gelingen kann, finden Sie im Reiter Motivation unter » Arzt-Patienten-Gespräch.
Blutdruck-Zielwerte: Ein Korridor je nach Begleitfaktoren
Empfehlung | Empfehlungsgrad |
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Bei Menschen mit Hypertonie sollen je nach Begleitfaktoren individualisierte Therapieziele für den Blutdruck gemäß unterstehender Abbildung vereinbart werden [1]. | ↑↑ |
Die hier dargestellten unteren Zielwerte orientieren sich an der NVL Hypertonie. Als ideal sieht die Leitliniengruppe einen Blutdruck-Zielwert von <140/90 mmHg. Es gibt jedoch individuelle Gründe, von diesem Zielwert abzuweichen. Der Zielkorridor dient als Orientierung für eine individuelle Einschätzung nach den nachfolgenden Einflussfaktoren.
min. 120/70 mmHg3 | ![]() | < 140/90 mmHg1 | ![]() | max. 160/90 mmHg2 |
Einflussfaktoren
hoch | ![]() | Lebenserwartung | ![]() | niedrig |
jünger | ![]() | Alter | ![]() | älter |
gering | ![]() | Einfluss der Polymedikation | ![]() | hoch |
gering | ![]() | Relevante Arzneimittel-Nebenwirkungen und -Interaktionen | ![]() | hoch |
gering | ![]() | Belastung durch die Therapie | ![]() | hoch |
hoch | ![]() | Kardiovaskuläres Risiko | ![]() | gering |
hoch | ![]() | Funktionelle und kognitive Fähigkeiten | ![]() | gering |
Patientenpräferenz |
1 Die Blutdruckzielwerte beziehen sich auf die Ergebnisse der Praxismessung. Es wird empfohlen, für die Heimmessung und den Tagesmittelwert der ambulanten Blutdruckmessung (ABPM) 5 mmHg sowie für den 24h-Mittelwert der ABPM 10 mmHg zu subtrahieren. Diese Empfehlung bezieht sich nicht auf Werte < 130 mmHg.
2 Die obere Grenze des Kontinuums stellt einen Kompromiss dar. Weder Patient*innen noch Ärzt*innen sollen sich mit Erreichen dieses Wertes zufriedengeben, wenn die individuellen Einflussfaktoren auch bessere Zielwerte zulassen würden. Ausnahme Bettlägerigkeit.
3 im Ausnahmefall, negative Effekte nehmen zu.
Ein Cochrane-Review zu Blutdruck-Zielwerten unter 135/85 mmHg fand wenig aussagekräftige Evidenz für einen Vorteil niedriger Zielwerte bezogen auf die Sterblichkeit. Andere schwerwiegende unerwünschte Ereignisse häuften sich in der Gruppe mit niedrigen Blutdruck-Zielwerten. Die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarkts oder einer Herzinsuffizienz kann dagegen leicht reduziert werden, wenn niedrige Blutdruck-Zielwerte erreicht werden. Aus Sicht der Cochrane-Autor*innen überwiegen die Nachteile von Blutdruck-Zielwerten unter 135/85 mmHg im Vergleich zu Standard-Zielwerten von 140/90 mmHg [2].
Auch diese Studie kann allerdings kritisiert werden. Zielwerte bleiben eine individuelle Nutzen-Schaden-Abwägung und sollten gemeinsam mit den Betroffenen definiert werden – unter Berücksichtigung eventuell auftretender, unerwünschter Nebenwirkungen.
Zum Thema siehe auch ein Artikel im KVH-Journal (Kolumne des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin) [3].
Empfehlung | Empfehlungsgrad |
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Die individuelle Einschätzung des kardiovaskulären Risikos für die Therapieplanung kann durch geeignete Scores unterstützt werden (z. B. arriba, ESC Charts, PROCAM). | ↔ |
Partizipative Entscheidungsfindung

Betroffene sollen aktiv an der Behandlung teilhaben. Das ist einerseits gerade bei Hypertonie wichtig, weil große Anteile der Therapie durch Verhaltensänderung passieren. Andererseits wird durch eine gemeinsame Entscheidung die Adhärenz gestärkt und mündige, selbstwirksame Patient*innen fühlen sich besser verstanden und wahrgenommen.
Mehr zur partizipativen Entscheidungsfindung finden Sie unter » Arzt-Patienten-Gespräch.
Informiertheit erhöhen und Adhärenz stärken
Patient*innen-Information und -Kommunikation
Damit eine gemeinsame Entscheidung getroffen werden kann, sollten Sie sicherstellen, dass ihr Gegenüber Sie richtig verstanden hat. Für eine gute Patient*innen-Information und -Kommunikation ist es entscheidend, die Patient*innen einzubeziehen.
Achten Sie zudem darauf, dass Sie …
- … bei der Aufklärung über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten der Hypertonie die unterschiedlichen Optionen mit ihren Vor- und Nachteilen in verständlicher Form darstellen.
- … den Patient*innen eine Beratung zu beeinflussbaren Risikofaktoren, behandelbaren Beschwerden und zur Bedeutung von akuten Symptomen anbieten.
Wenn Sie Patient*innen den Nutzen und die Risiken verschiedener Therapieoptionen verständlich darlegen, können diese eine autonome und informierte Entscheidung treffen.
Befolgen der Ratschläge
Es fällt Patient*innen oft schwer die empfohlenen Lebensstiländerungen umzusetzen, die bei der Therapie von Bluthochdruck eine bedeutende Rolle spielen. Wenn individuell gesteckte Therapieziele nicht erreicht werden, sollten Sie gemeinsam mit den Patient*innen die Adhärenz überprüfen. Besprechen Sie mögliche Barrieren zum Befolgen der ärztlichen Ratschläge mit den Patient*innen, um die Adhärenz stärken zu können. Je mehr Sie die Patient*innen dabei einbeziehen, desto mehr intrinsische Motivation für Fortschritte können Sie aktivieren. Neben der Zufriedenheit erhöht das die Erfolgsaussichten der Therapie.
Konkrete Hinweise, wie eine motivierende Kommunikation auf Augenhöhe gelingen kann, finden Sie unter » Motivation.
