Erfahren Sie hier mehr dazu, wie der Arzt * die Ärztin mit Ihnen zusammen an der Erkrankung arbeiten wird. In den anderen Kapiteln bieten wir Ihnen Hintergründe im Zusammenhang mit Bluthochdruck, geben einen Überblick zu Ursachen und Folgen von (unbehandeltem) Bluthochdruck und dazu, wie Bluthochdruck bestimmt wird.
Therapieplanung
Wie genau die Behandlung (oder auch Therapie) ablaufen soll, vereinbaren Sie als Patient*in gemeinsam mit Ihrem Arzt * Ihrer Ärztin.
Patienteninformation und Kommunikation
Fragen Sie im Patienten-Arzt-Gespräch nach verständlichen Informationen zu unterschiedlichen Optionen mit ihren Vor- und Nachteilen über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten. So können Sie Nutzen und Risiken verschiedener Therapieoptionen besser einschätzen.
Tipps und Informationen wie Sie sich am besten auf das Patienten-Arzt-Gespräch vorbereiten können und was die Kommunikation mit Ihrem Arzt * Ihrer Ärztin erleichtert, finden Sie unter » Mehr Mitsprache.
Gemeinsam entscheiden

Gemeinsam mit Ihrem Arzt * Ihrer Ärztin sollten Sie zu Beginn und im Verlauf der Behandlung von Bluthochdruck wiederholt persönliche Therapieziele vereinbaren [29]. Durch die Zielvereinbarung, die Sie mit den Behandelnden festlegen, ist die Therapieplanung auf Ihre Bedürfnisse und Ihre persönliche Situation angepasst [30]. Dieser Prozess wird „partizipative Entscheidungsfindung“ genannt. Das bedeutet, dass Sie selbst mitentscheiden dürfen und sollen.
Ihre Vorteile bei der gemeinsamen Therapieplanung sind:
- Gehört werden
- Zufriedenheit mit der Behandlung
- Gutes Vertrauensverhältnis
- Sicherstellen, dass die Behandlung mit Ihrem Alltag vereinbar ist
- Mögliche Belastung geringhalten
Es ist wichtig, dass Sie die gemeinsam vereinbarten Blutdruckziele kennen. Somit können Missverständnisse bei Blutdruckmessungen, z. B. in einer anderen Praxis, vermieden werden [31].
Ziele festlegen
Für einen idealen Blutdruck empfiehlt die Nationale VersorgungsLeitlinie einen Zielwert-Korridor rund um Werte unter 140 / 90 mmHg. Der Zielwert sowie die Behandlung ist immer von der persönlichen Situation abhängig und ergibt sich aus persönlichen Faktoren in Form einer individuellen Nutzen-Schaden-Abwägung [32].
Die Faktoren für den Zielwert-Korridor sind [19]:
- Lebenserwartung und Alter
- Einfluss von Polymedikation
- Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Arzneimitteln
- Belastung durch die Therapie
- Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- funktionelle und kognitive Fähigkeiten
- Gedanken und Wünsche der Patient*innen
Es kann also vorkommen, dass Sie im Gespräch mit Ihrem Arzt * Ihrer Ärztin auf einen anderen Zielwert kommen als den mittleren Richtwert (<140 / 90 mmHg). Das liegt daran, dass der vereinbarte Zielwert auf Ihre ganz persönliche Situation angepasst ist. Die NVL empfiehlt neben diesem personalisierten Richtwert auch, dass Patient*innen und Ärzt*innen sich in wiederkehrenden Terminen auf die Zielwerte einigen, um auf Änderungen reagieren zu können [32].
Wege zum Ziel
Bei nur leicht erhöhten Werten kann in seltenen Fällen schon eine Behandlung ohne Medikamente, also durch Lebensstiländerung, ausreichen (z. B. Salzverzicht, körperliche Aktivität, Gewichtsreduktion). Wenn möglich, sollte das bevorzugt werden, um etwa Nebenwirkungen von Medikamenten gering zu halten. In aller Regel wird bei der Behandlung von Bluthochdruck aber mit Lebensstiländerung und mit Medikamenten gearbeitet. Die Behandlung hat die besten Chancen erfolgreich zu sein, wenn beide Bestandteile der geplanten Therapie befolgt werden. Das bedeutet
- Medikamente sollten wie verordnet eingenommen werden und der Blutdruck regelmäßig gemessen werden.
- Tipps zur nicht-medikamentösen Behandlung und Prävention sollten so gut es geht befolgt werden (z. B. Bewegung, Gewicht reduzieren, Rauchstopp).
Auch wenn sie blutdrucksenkende Medikamente einnehmen, sollten sich Menschen mit » Was kann ich selbst tun.
an einen gesunden Lebensstil halten. Mehr Informationen dazu, was zu einem gesunden Lebensstil bei Bluthochdruck gehört, finden Sie unterSprechen Sie mit Ihrem Arzt * Ihrer Ärztin darüber, wie Sie die festgelegten Ziele am besten erreichen können. Wenn Sie Schwierigkeiten haben, die Vereinbarungen einzuhalten, ist das nicht ungewöhnlich! Melden Sie sich in diesem Fall bei Ihrem Arzt * Ihrer Ärztin, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Mehr zur Zusammenarbeit zwischen Patient*in und Arzt * Ärztin finden Sie unter »Therapie-Team werden.
Lebensstiländerung
Neben Veranlagung und anderen Erkrankungen ist es vor allem der Lebensstil, der Bluthochdruck begünstigen kann. Typische Risikofaktoren für Bluthochdruck sind erhöhtes Gewicht, Rauchen, wenig Bewegung und eine ungesunde Ernährung. Das Gute daran ist: All diese Faktoren können Sie selbst beeinflussen. Durch Anpassungen der Gewohnheiten können Bluthochdruck und persönliche Risikofaktoren reduziert werden [20].

Mit genügend körperlicher Aktivität bleiben Sie fit und erhöhen so auch Ihre Lebensqualität. Bewegung hilft häufig dabei, Stress abzubauen, und den Kopf frei zu kriegen.

Eventuelles Übergewicht sollte nach Möglichkeit reduziert werden. Nicht nur für den Blutdruck hat das Vorteile.
Bei Bluthochdruck hilft es, sich gesund zu ernähren, den Alkohol-Konsum zu reduzieren und wenig Salz zu sich zu nehmen.
Rauchstopp: Hören Sie mit dem Rauchen auf, hat das sofort positive Auswirkungen auf Ihre Gesundheit.
Informieren Sie sich: Wenn Sie Ursachen und mögliche Folgen von Bluthochdruck kennen, können Sie mitentscheiden, wie die Krankheit behandelt werden soll. Da Sie hier nachlesen, ist der erste Schritt schon gemacht, super!
Natürlich ist es häufig schwierig, Gewohnheiten zu ändern. Mit dem Rauchen aufzuhören, das Gewicht zu reduzieren oder die Ernährung umzustellen sind einschneidende Vorhaben. Dabei ist es völlig normal, dass es gute und weniger gute Phasen gibt. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt * Ihrer Ärztin offen über aufkommende Schwierigkeiten, so können Sie am besten gemeinsam nach Lösungen suchen. Mehr zur Zusammenarbeit zwischen Patient*in und Arzt * Ärztin finden Sie unter »Therapie-Team werden.
Auch wenn blutdrucksenkende Medikamente eingenommen werden, ist ein gesunder Lebensstil wichtig. Dazu gehört auch
- einen aktiven Umgang mit Stress zu finden
- wenig Alkohol
- gute Ernährung und wenig Salz.
Näheres zu einem gesunden Lebensstil bei Bluthochdruck finden Sie unter » Was kann ich selbst tun?.
Medikamentöse Therapie
In den meisten Fällen reichen Lebensstiländerungen allein nicht aus, um die vereinbarten Blutdruckwerte zu erreichen. Dann kann zusätzlich durch blutdrucksenkende Medikamente der Blutdruck normalisiert werden. Ob Medikamente eingenommen werden müssen, hängt von dem persönlichen Risiko ab und ist immer eine Einzelfallentscheidung, die Sie gemeinsam mit dem*der Behandelnden treffen [33].
Mehr Informationen dazu, was Sie selbst bei einer medikamentösen Therapie beachten sollten, finden Sie auf der Seite Therapie-Team werden unter „Medikamente kennen und richtig einnehmen“.
Häufige Medikamente im Überblick
In der Regel werden in Deutschland folgende Gruppen von blutdrucksenkenden Medikamenten (Antihypertensiva) verordnet (Wirkstoffgruppen der ersten Wahl) bei denen eine gute Wirksamkeit nachgewiesen wurde [34-38].
ACE-Hemmer
ACE-Hemmer heißen ausgeschrieben Angiotensin-Converting-Enzyme-Hemmer.
Häufig verordnete Mittel sind:
- Ramipril
- Enalapril
Greifen in die Produktion von Hormonen ein, die den Blutdruck beeinflussen.
- Können eine Verschlechterung der Nierenfunktion (z. B. Diabetes) verzögern.
- Sind besonders für Personen mit Diabetes Mellitus und / oder einer Herzschwäche geeignet.
- Häufig (bei bis zu 10% der Patient*innen) tritt ein Reizhusten auf. Oft auch erst nach jahrelanger Einnahme
- Wie bei anderen Wirkstoffen können Kopfschmerzen, Schwindel und Verdauungs-Störungen auftreten.
- Seltener kommt es zu einem erhöhten Kaliumspiegel im Blut oder einem Angioödem (Hautschwellungen)
ARB, AT1-Antagonisten oder Sartane
ARB heißen ausgeschrieben Angiotensin-II-Rezeptorblocker. Andere gängige Namen sind AT1-Antagonisten oder Sartane.
- Valsartan
- Losartan
- Candesartan
Greifen am Wirkungsort von Hormonen ein, die den Blutdruck beeinflussen.
- Können eine Verschlechterung der Nierenfunktion (z. B. Diabetes) verzögern (siehe ACE-Hemmer).
- Sind besonders für Personen mit Diabetes Mellitus und / oder einer Herzschwäche geeignet (siehe ACE-Hemmer).
- Können bei unerwünschten Wirkungen der ACE-Hemmer (z. B. Reizhusten) als Alternative eingesetzt werden.
- Sind insgesamt nebenwirkungsarm.
- Seltener kommt es zu einem erhöhten Kaliumspiegel im Blut oder Husten (seltener als bei den ACE-Hemmer).
Kalzium-Antagonisten, Kalziumkanalblocker
Häufig verordnete Mittel sind:
- Amlopidin
- Nifedipin
Das Blockieren der Kalziumkanäle führt zu einer Entspannung der Gefäßmuskulatur. Dadurch erweitern sich die Gefäße.
- Kalzium-Antagonisten werden oft in Kombination mit anderen Medikamenten eingesetzt.
- Bestimmte Kalzium-Antagonisten (Verapamil, Diltiazem) dürfen nicht mit Beta-Blockern kombiniert werden, weil die Herzfrequenz sonst zu langsam werden kann.
- Nebenwirkungen sind insgesamt selten.
- Selten kommt es zu:
- Wassereinlagerungen (Ödeme) an den Unterschenkeln und Knöcheln, v. a. bei höherer Dosis
- einer Hautrötung und Wärmegefühl (sogenannter „Flush“)
- Kopfschmerzen
- einer verlangsamten Herzfrequenz (nur sogenannter „Non-Dihydropyridin-Typ“).
Thiazid-Diuretika und Thiazidanaloga
Diuretika sind Entwässerungsmittel.
Häufig verordnete Mittel sind:
- HCT (Hydrochlorothiazid)
- Chlortalidon
- Indapamid
Diuretika steigern die Ausscheidung von Salz und Wasser über die Nieren.
- Wird bevorzugt in geringer Dosis und in Kombination mit anderen Medikamenten eingesetzt.
- Ungünstige Wirkung auf Fett- und Zuckerwerte mit erhöhtem Diabetesrisiko, besonders bei höheren Dosierungen.
- Empfohlen bei Herzmuskelschwäche, bei deren Therapie es auch eingesetzt wird.
- Anfangs kommt es zu häufigem Harndrang, welcher für Patient*innen störend sein kann.
- Die Einnahme führt zu:
- erhöhten Glukose- (Zucker) und Triglyzerid-Werten (Blutfette), mit erhöhtem Diabetesrisiko
- erhöhtem Harnsäurespiegel im Blut, daher sollten Thiazide bei Gicht nicht eingenommen werden.
- Auftreten können außerdem:
- Vermutet wird bei HCT zudem ein erhöhtes Risiko für einen weißen Hautkrebs. Daher sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen besonders wichtig.
Betablocker
Häufig verordnete Mittel sind:
- Metoprolol
- Bisoprolol
Verlangsamen die Herzfrequenz und blockieren die Wirkungsstellen von blutdrucksteigernden Stresshormonen wie Adrenalin und Noradrenalin am Herzen.
- Medikament, das bei allen Patient*innen mit einer Koronaren Herzkrankheit (KHK) und nach einem Herzinfarkt eingesetzt wird.
- Verringert die Herzfrequenz.
- Kann unter Umständen die Lebenserwartung bei KHK, Herzmuskelschwäche und Herzrhythmusstörungen verbessern.
- Betablocker wirken auch an der Lunge: Hier kommt es zu einer Verengung der Bronchien, weshalb sie bei Personen mit Asthma bronchiale nicht eingesetzt werden sollten.
- Als gewünschte Wirkung führen sie zu einer langsameren Herzfrequenz.
- Des Weiteren können auftreten:
- Herzrhythmusstörungen
- eine Verschlechterung bestehender Durchblutungsstörungen (z. B. periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK))
- sexuelle Funktions- oder Potenzstörungen
- Müdigkeit, Schlafstörungen
- depressive Verstimmung
- wieder aufblühen einer Schuppenflechte
- negative Beeinflussung des Zuckerstoffwechsels.
*Bei allen blutdrucksenkenden Medikamenten können bestimmte Symptome durch den gesenkten Blutdruck hervorgerufen werden. Dazu gehören Schwindel und Benommenheit. Wie bei allen Medikamenten können zudem Allergien und Hautreaktionen auftreten. Weitere allgemeine Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Verstopfung oder Durchfall.
Ein einzelner Wirkstoff kann den systolischen Blutdruck durchschnittlich um ca. 7–15 mmHg und den diastolischen Blutdruck um ca. 5–10 mmHg senken. Ist eine höhere Blutdrucksenkung notwendig, können mehrere Wirkstoffe kombiniert werden. Empfohlen werden dann sogenannte [39]. Oft werden diese auch bereits als erste medikamentöse Therapie eingesetzt. Kombinationspräparate können die richtige Medikamenteneinnahme unterstützen, sind aber mitunter im Vergleich teurer als zwei Einzelpräparate.
Eine Entscheidung darüber, ob ein einzelner Wirkstoff oder eine Kombination von mehreren Wirkstoffen verwendet wird, ist abhängig von Ihren persönlichen Eigenschaften (z. B. Alter, Gebrechlichkeit, Komorbidität, kardiovaskulären Risikofaktoren, Ausgangsblutdruck, Adhärenz) [40].
Regelmäßige Überwachung des Blutdrucks
Wenn mit dem Arzt * mit der Ärztin Heimmessungen des Blutdrucks besprochen wurden, sollten Sie diese regelmäßig durchführen – die Regel sind tägliche Messungen, halten Sie sich aber an die besprochenen zeitlichen Abstände.
Längerfristig wird in der Regel eine Kontrolle in der Praxis nach vier bis sechs Wochen durchgeführt werden, um mögliche Probleme frühzeitig zu bemerken und ggf. nachbessern zu können, wenn die Behandlung sich als nicht passgenau herausstellt. Ab 7 Tagen vor dem Kontrolltermin sollten Sie 2x morgens und 2x abends eine Heimblutdruckmessung durchführen. Die Messung in der Praxis gilt dann als Bestätigung. Zu jedem Termin wird der Blutdruck und die Pulsfrequenz gemessen, zudem werden ggf. auch Laborwerte wie Natrium, Kalium und eGFR sowie das Gewicht ermittelt. Darüber hinaus besprechen Sie mit dem Arzt * der Ärztin, wie gut Sie die Medikamente vertragen und ob Sie sie regelmäßig eingenommen haben [41-43].
Wenn das Therapieziel erreicht wurde, empfiehlt die NVL entweder ein jährliches Monitoring oder je nach Komorbidität und begleitenden Faktoren (z. B. Herzmuskelschwäche oder Nierenschädigung) eine Kontrolle alle drei Monate [41].
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