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Diagnose

Erfahren Sie hier mehr dazu, wie Bluthochdruck bestimmt wird. In den anderen Kapiteln bieten wir Ihnen Hintergründe im Zusammenhang mit Bluthochdruck, geben einen Überblick zu Ursachen und Folgen von (unbehandeltem) Bluthochdruck und Sie erfahren, wie der Arzt * die Ärztin mit Ihnen zusammen an der Erkrankung arbeiten wird.

Meine Blutdruckmessung ergab erhöhte Werte – Und jetzt?

Die Diagnose von Bluthochdruck erfolgt in verschiedenen Schritten. Eine Zufallsmessung kann beispielsweise in der Apotheke oder im Rahmen einer Gesundheitsuntersuchung auffällige Werte erbracht haben, z. B. wenn die Werte im hochnormalen Bereich oder höher lagen [21].

  1. Bestätigungsdiagnostik: Besteht der Verdacht auf Bluthochdruck, werden in der Praxis zwei Blutdruckmessungen durchgeführt, um die Erkrankung zu bestätigen.
  2. Basisdiagnostik: Wird in der Bestätigungsdiagnostik Bluthochdruck festgestellt, erfolgt im Rahmen einer Basisdiagnostik
    • zum einen ein Patienten-Arzt-Gespräch (Anamnese),
    • und zum anderen wird eine körperliche Untersuchung durchgeführt.
    • Die Erfassung von bestimmten Laborwerten rundet die Basisdiagnostik ab.
  3. Diagnostik von Endorganschäden: Nach der Basisdiagnostik folgen ggf. weitere Untersuchungen, um mögliche bluthochdruckbedingte Organschäden festzustellen [23].

Bluthochdruck verläuft oftmals ohne Beschwerden, birgt aber ein deutliches Schadenspotential. Der Nutzen von Routinevorsorge-Untersuchungen ist zwar umstritten [44]. Da der Aufwand in der Arztpraxis aber gering ist, empfiehlt die Nationale Versorgungsleitlinie (NVL Hypertonie) trotzdem eine einmalige Blutdruckmessung und Dokumentation der Werte bei Personen ab 18 Jahren. So soll Bluthochdruck frühzeitig erkannt und das Schadenspotential verringert werden [23].

Bestätigungsdiagnostik

Bei der Bestätigung, ob es sich um Bluthochdruck handelt, wird in der Praxis entweder einmal oder zweimal der Blutruck gemessen.

Zwei unabhängige Blutdruckmessungen in der Praxis werden empfohlen, wenn

  • eine Zufallsmessung einen Blutdruckwert im hochnormalen Bereich oder höher ergeben hat, ODER
  • Symptome auftreten, ODER
  • bereits Endorganschäden vorliegen.

Eine Praxisblutdruckmessung wird empfohlen, wenn

  • Risikofaktoren vorliegen, aber
  • bisher noch keine erhöhten Werte oder Symptome beobachtet wurden.

Ist der Wert niedriger als 140 / 90 mmHg, wird empfohlen, den Blutdruck in einem Jahr nochmal in der Praxis zu kontrollieren. Bei Werten ab 140 / 90 mmHg muss eine zweite Blutdruckmessung erfolgen [22].

Empfehlungen der NVL

  • Besteht bei Patient*innen nach der Praxisblutdruckmessung weiterhin der Verdacht auf arterielle Hypertonie (also wenn Werte größer / gleich 140 / 90 mmHg gemessen wurden), sollte bestenfalls eine ambulante 24h-Blutdruckmessung durchgeführt werden. Hierzu erhalten Sie ein mobiles Messgerät, welches Sie am Körper tragen. Das Gerät zeichnet über 24 Stunden hinweg Ihre Blutdruckwerte auf [25].
  • Ist eine ambulante 24h-Blutdruckmessung nicht möglich, wird eine 7-tägige Heimblutdruckmessung empfohlen [25].
  • Die NVL betrachtet die ambulante 24h-Blutdruckmessung als das zuverlässigste Testverfahren (= Goldstandard). Die Werte werden tags und nachts gemessen. Dies ermöglicht einen Gesamtüberblick der Blutdruckwerte in Abhängigkeit zu verschiedenen Zeitpunkten und Tätigkeiten. Insbesondere bei Verdacht auf nächtliche Blutdruckspitzen ist dieses Testverfahren zu empfehlen. Auch Weißkittel- und maskierte Hypertonie können mit diesem Verfahren am sichersten erfasst werden [26].

Ergeben sich nach der abschließenden Messung erhöhte Werte, ist die Diagnose Bluthochdruck bestätigt.

Basisdiagnostik

Nachdem der Bluthochdruck bestätigt wurde, erfolgt in der Anamnese eine Bestandsaufnahme, danach folgen eine körperliche Untersuchung und weitere Laboruntersuchungen.

Anamnese

Die Anamnese erfolgt in einem Patienten-Arzt-Gespräch. Tipps und Empfehlungen, wie Sie sich am besten auf solche Gespräche vorbereiten können, finden Sie unter » Mehr Mitsprache.

Die Anamnese ist eine systematische Befragung, in der der Arzt * die Ärztin Ihren Gesundheitszustand ermittelt (Anamnese ist griechisch für „Erinnerung”). In der Regel werden hier diese oder ähnliche Themen besprochen:

  • Symptome, z. B. Schwindel, Sehschwäche, Kopfschmerzen
  • Die Krankengeschichte, von Ihrer Familie und Ihnen selbst, z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Schlaganfall
  • Aktuelle und vergangene Einnahme von Medikamenten, auch Wirksamkeit und Verträglichkeit
  • Lebensgewohnheiten, z. B. Trinkmenge, Essverhalten, Raucherstatus, körperliche Bewegung [10].

Patienten-Arzt-Gespräch

Dieses Gespräch ist die Basis für jede weitere Untersuchung und sowohl für den Arzt * die Ärztin als auch für Sie sehr wichtig.
Der oder die Behandelnde möchte in diesem Anamnese-Gespräch so viel wie möglich über Ihre derzeitigen Symptome, Begleiterkrankungen, Ihre medizinische Vorgeschichte sowie Ihre Lebensumstände erfahren. Dabei sollten Sie als Patient*in im Zentrum stehen. Ein patientenzentriertes Patienten-Arzt-Gespräch läuft in drei Phasen ab:

Sie können dem*der Behandelnden helfen, die richtige Diagnose zu finden, indem Sie zunächst von den folgenden drei Punkten berichten:

  1. Was denken Sie selbst, wie die Beschwerden zu Stande kamen und was deren Ursache ist?
  2. Haben Sie bestimmte Befürchtungen zu den Beschwerden? Beispielsweise, dass es sich um etwas Gefährliches handeln könnte?
  3. Was sind Ihre Erwartungen an den Arztbesuch? Wie, glauben Sie, kann Ihnen Ihr Arzt * Ihre Ärztin am besten helfen? Brauchen Sie mehr Informationen über Ihre Krankheit oder eine Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung?

Danach wird Ihnen der Arzt * die Ärztin eine Reihe von Fragen stellen, wie z. B.:

  • Haben Sie Schmerzen? Ist Ihnen schwindelig oder übel?
  • Wann sind Ihre Beschwerden das erste Mal aufgetreten? Haben die Beschwerden sich in der letzten Zeit verändert?
  • Empfinden Sie vermehrt Stress oder Ängste? Leiden Sie an einer psychischen Erkrankung, wie z. B. einer Depression?

Indem Sie diese Fragen beantworten, helfen Sie Ihrem Arzt * Ihrer Ärztin, die genaue Diagnose und eine gute Behandlungsstrategie zu finden. Sie können sich auf das Gespräch vorbereiten, indem Sie sich Antworten bereits im Vorfeld überlegen.

Tipps zur Vorbereitung auf Ihren nächsten Arztbesuch
  • Überlegen Sie sich vor einem Gespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin in Ruhe, welche Fragen Sie stellen möchten. Es kann Ihnen helfen, wenn Sie sich Ihre Fragen vorab auf einen Zettel notieren. So vergessen Sie während der Besprechung nichts Wichtiges.
  • Wenn Sie einen Medikationsplan besitzen, nehmen Sie diesen zum Arztbesuch mit oder schreiben alle Medikamente auf, die Sie einnehmen. Hier ist es wichtig auch diese Medikamente zu nennen, die nicht von Ärzt*innen verschrieben wurden, z. B. pflanzliche, homöopathische Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel (z. B. Vitaminpräparate, Mineralien, L-Carnitin) sowie „Wellnesspräparate(„Stärkungsmittel“ etc.).
  • Sie können sich während des Gesprächs Notizen machen oder um schriftliche Information bitten.
  • Fragen Sie nach, falls Sie etwas nicht verstanden haben. Bitten Sie z. B. um die Erklärung medizinischer Fachausdrücke.
  • Gehen Sie am Ende des Gesprächs nochmal Ihre Frageliste durch und überlegen, ob alle Ihre Fragen beantwortet wurden. Fragen Sie nach, falls etwas unklar geblieben ist.

» Mehr Infos zur Vorbereitung auf das Arzt-Gespräch

Körperliche Untersuchung

Der Schwerpunkt der körperlichen Untersuchung liegt in der Regel auf:

  • Größe, Gewicht, Body-Mass-Index (BMI), ggf. Taillen- und Hüftumfang
  • Untersuchung der Beine auf Schwellungen oder Stauungszeichen
  • Abtasten der Gefäße an Armen und Beinen
  • Erste Untersuchung der Nerven, ggf. mit Beurteilung des kognitiven Status [10].

Weitere Untersuchungen und Laborwerte

Die Expert*innen der Nationalen VersorgungsLeitlinie (NVL) empfehlen die Bestimmung bzw. Berechnung folgender Laborwerte:

  • Blutsalze (Natrium, Kalium)
  • Bestimmung des Kreatinins im Blut [28] zur Berechnung der Nierenfunktion (eGFR)
  • Blutfette (Lipidstatus)
  • Blutzuckerwerte (Nüchternplasmaglukose oder HbA1c)
  • Urinstatus (z. B. mittels Urinstreifentest) [27].

Zudem kann ein Ruhe-EKG sinnvoll sein.

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PDF: Diagnose und Therapie von Bluthochdruck

Quellen

[10] Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie – Langfassung, Version 1.0. 2023. Nachfolgend „NVL“. Kapitel Diagnostik, Tabelle 5: Hypertoniespezifische Anamnese und körperliche Untersuchung, S. 14

[21] NVL, Kapitel 3 Diagnostik, Punkt 3.1 Algorithmus der Diagnostik der Hypertonie, S.12f

[22] NVL, Kapitel 3 Diagnostik, Abbildung 1: Algorithmus der Hypertonie, S. 12

[23] NVL, Kapitel 2 Früherkennung: Empfehlung 2-1, S. 11

[24] National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Hypertension in adults: diagnosis and management. NICE Clinical Guideline; 136, 2019. Zugriff am 07.10.2022.

[25] NVL, Kapitel 3 Diagnostik, Empfehlung 3-2, S. 17

[26] NVL, Kapitel 3 Diagnostik, S. 17ff

[27] NVL, Kapitel 3 Diagnostik, Empfehlung 3-4, S. 20

[28] NVL, Kapitel 3 Diagnostik, Empfehlung 3-5, S. 21

[44] Krogsbøll LT, Jørgensen KJ, Gøtzsche PC: General health checks in adults for reducing morbidity and mortality from disease. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2019, Issue 1. Art. No.: CD009009. Zugriff am 28.06.2022.